Landesoberliga Herren

Favoritensturz in Weißenfels

06.03.2017 von Chris Beyer

Oberliga-Volleyballer von Rot-Weiß gewinnen nach 0:2-Satzrückstand gegen den Landesmeister Dessau Volleys

Nach der bitteren Heimniederlage gegen den MLV aus Magdeburg am vergangenen Spieltag standen die Beyer-Mannen im letzten Heimspiel der Saison gehörig unter Druck. Aufgrund der Tabellensituation war man in den noch ausstehenden Partien der Oberliga verpflichtet, zu punkten. Dass in dieser Phase der frischgebackene Landesmeister aus Dessau seine Visitenkarte in der Inge-Schanding-Halle abgeben sollte, trug nicht unbedingt zur Stimmungsaufhellung bei den Weißenfelsern bei. Die Dessau Volleys – in der bisherigen Saisonbilanz erst mit einer Niederlage – reisten ohne zwei ihrer Stammkräfte an. Aber auch die Rot-Weißen mussten mit Weber und Prautsch zwei Ausfälle verkraften und Mittelblocker Köthe saß nur für den „Notfall“ auf der Bank. Trotzdem rechneten sich die Verantwortlichen der Neustädter gegen den Favoriten Chancen aus. Schon im Hinspiel konnte man einen Satzgewinn verzeichnen.

Zum Beginn nahm das Spiel aber erstmal den erwarteten Verlauf. Die Dessauer schlugen druckvoll auf und zeigten im Angriff eine sehr effektive Vorstellung. Das lag aber auch an der zurückhaltenden Darbietung des Rot-Weiß-Blocks, der in den ersten beiden Sätzen fast nicht existent war. Hinzu kam eine Vielzahl von vermeidbaren Fehlern im Spiel der Gastgeber. Bis zum 5:12 im ersten Satz fabrizierte das Beyer-Team unglaubliche sieben Eigenfehler. „Mit einer solchen Vorstellung lässt sich gegen keinen Gegner in der Oberliga etwas holen. Gegen den Erstplatzierten schon gar nicht“, resümierte Rot-Weiß-Spielführer Markus Esche die bis dahin enttäuschende Präsentation seiner Mannschaft. Folgerichtig schenkte man die ersten beiden Sätze mit 18:25 und 21:25 förmlich her. „Ich hatte das Gefühl, dass wir mit angezogener Handbremse spielen und einfach zu viel Respekt zeigen“, so Coach Beyer, der in der Satzpause ein gehöriges Donnerwetter über seine Jungs abließ. „Mich hat einfach maßlos geärgert, dass wir unsere Chancen auf etwas Zählbares in diesem Spiel viel zu leichtfertig herschenkten“, erklärte der Rot-Weiß-Trainer seinen Ausbruch im Nachhinein. Doch die Maßnahme zeigte in der Folge Wirkung. Im dritten Satz vermieden die Weißenfelser einfache Fehler und traten couragierter auf. Auf Dessauer Seite bröckelte das übergroße Selbstbewusstsein und es zeigten sich nun erstmals auch Schwächen im Angriff und im Block, sodass die Gastgeber permanent Druck ausüben konnten und den Abschnitt mit 25:22 nach Hause brachten. Beflügelt von dieser deutlichen Leistungssteigerung lieferten die Rot-Weißen auch im 4. Satz eine Topleistung ab. Konsequent setzte man nun die Annahmereihe der Volleys unter Druck und schaffte sich somit viele einfache Situationen in der Abwehr. Insgesamt entwickelte sich nun auch eine hochklassige Oberliga-Partie, bei der sich beide Teams nichts mehr schenkten. Den Zuschauern wurden lange Ballwechsel mit starken Abwehraktionen gezeigt, die oftmals zu Gunsten der Weißenfelser ausgingen. In der Endphase brachte eine Aufschlagserie von Toni Ziegler die Gäste-Annahme völlig aus dem Konzept. Mit 25:16 ging dieser Abschnitt dementsprechend deutlich an die Hausherren. Nach dem Satzausgleich zum 2:2 hatten die Rot-Weißen nun auch den psychologischen Vorteil auf ihrer Seite. Angetrieben vom Publikum legten sie auch im abschließenden Tie-Break furios los. Gleich zu Beginn kaufte Mittelmann Kliefoth dem Gegner mit einem „Monsterblock“ den Schneid ab. Bis zum Seitenwechsel beim 8:3 lief auf Dessauer Seite dann auch nicht mehr viel zusammen. Diese hatten mit einem Wechsel im Zuspiel versucht, dem Spiel eine Wende zu verleihen. Doch diese taktische Maßnahme zeigte keine Wirkung. Vielmehr spielten sich die Weißenfelser in einen kleinen Rausch und brachten den Satz mit 15:5 und zum vielumjubelten 3:2-Sieg nach Hause. Durch diese zwei Punkte stehen die Weißenfelser nun auf Platz 6 in der Oberliga und lassen derzeit vier Teams hinter sich. Schlimmstenfalls können die Rot-Weißen am letzten Spieltag noch auf den 7. Rang abrutschen. Ob dieser zum Klassenverbleib ausreicht, steht jedoch noch nicht fest, da die genaue Anzahl der absteigenden Teams von den Ab- und Aufstiegen der Regionalliga abhängt. Wenn die Mannschaft am letzten Spieltag gegen den Burger VC 99 aber eine ähnliche Leistung wie in den letzten drei Sätzen zeigt, können auch dort Punkte geholt werden. Dann bräuchte man sich mit diesen Rechenspielchen gar nicht zu befassen.

RWW mit: 5 Markus Esche, 6 Florian Albrecht, 7 Swen Klimaschewski, 8 Hendrik Kliefoth, 9 Toni Ziegler, 10 Matthias Köthe, 11 Sebastian Terbuyken, 14 Franz Kotschote, 17 Joao Pires

Ergebnisse und Tabelle

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